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Angie erzählt ihre Geschichte

Mein Name ist Angie, ich wurde 1967 geboren und erkrankte vor dem 50. Lebensjahr bereits 3-mal an Krebs. Im Jahr 2017 habe ich mit Nicole die BRCA-Selbsthilfegruppe Wien gegründet.

Meine Geschichte

Mit 31 Jahren (1998) wurde mir ein gutartiger Tumor aus der Brust entnommen. Ab diesem Zeitpunkt wurde mir eine engmaschige Kontrolle empfohlen. Ich folgte diesem Rat – ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutete. Als ich das 45. Lebensjahr erreicht hatte (2012), spürte ich in meinem Körper, dass etwas nicht stimmte. Ich fühlte, dass da etwas war, das nicht zu mir gehörte. Es verursachte keine Schmerzen, fühlte sich komisch an. Gott sei Dank folgte ich meinem Gefühl: Eine Untersuchung folgte der nächsten und dann wurde mir binnen kürzester Zeit ein OP-Termin mitgeteilt. Ich kann mich noch so gut an das Gespräch mit der Anästhesie erinnern: Ich wurde darauf vorbereitet, dass der Eingriff an der Leber ein äußerst riskanter wäre, ich viel Blut verlieren werde und dass ich im schlimmsten Fall nicht überleben könnte. Meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt gerade 11 Jahre alt. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg, doch im nächsten Moment wusste ich, ich musste vertrauen, hoffen, dass alles wieder gut wird. Die OP verlief Gott sei Dank gut. Mir wurde ein 6 cm großer Tumor aus der Leber entfernt. Das Warten auf das Ergebnis war die reinste Hölle: Ein atypisches hepathozelluläres Carzinom, ein in sich abgekapselter Tumor, der zur Gänze entfernt werden konnte. Glück im Unglück.

Nach vielen Wochen ging ich wieder meinem „Alltag” nach. Zu der bereits engmaschigen Kontrolle der Brüste folgte nun auch eine Kontrolle im Sinne des Nachsorgeprogrammes der Leberkrebs-Operation. Hätte ich keine Nachsorge Computertomographie gehabt, wäre man 2014 im Zuge der Brustuntersuchungen mittels Ultraschall und Mammographie nicht auf den im Narbengewebe von meiner Brust-OP vorhandenen Tumor – der bei den Brust-Kontrolluntersuchungen als Verkalkung definiert wurde – aufmerksam geworden. Es folgte eine extrem schmerzhafte Biopsie des lokalisierten Knotens und ein zeitnaher OP-Termin. Da es sich um einen hormonabhängigen Tumor handelte, wurden Bestrahlungen und eine Hormontherapie für mich gewählt. Während der Bestrahlungstherapie ertastete ich in der anderen Brust einen Knoten. Seitens der Ärzte wurde ich auf die Zeit nach Beendigung der Bestrahlungstherapie vertröstet. Ich verstand die Welt nicht mehr, musste aber die Entscheidung der Ärzte akzeptieren. Meine Körpergefühl hatte mich nicht getäuscht. Erneut erfolgte eine Biopsie und zeitnah die OP des Knotens. Nachdem es sich hierbei ebenfalls um einen bösartigen Knoten handelte (jedoch einen anderen, eine aggressivere Art) erhielt ich Chemotherapie. Meine erste Reaktion nach dieser Operation war: Warum wurden mir nicht gleich beide Brüste amputiert? In den Monaten, Jahren davor hatte ich doch schon einiges hinter mir, ich sorgte mich um meine Tochter, meine Familie. Also um mein Leben. Ich hatte bereits einige Kämpfe hinter mir.

Erst nach dieser 3. Krebsoperation wurde mir empfohlen, einen Gen-Test zu machen. Meine Familiengeschichte war nicht explizit auffällig, obwohl mein Vater an Kehlkopf- bzw. Lungenkrebs verstorben ist. Mütterlicherseits gab es einen Großonkel, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb und einen Cousin, der an Prostatakrebs erkrankt war. Im Dezember 2015 erfolgte die Blutabnahme und nach einer unendlich langen Wartezeit von sieben Monaten erhielt ich im Juni 2016 das Ergebnis. Mein Test fiel positiv aus und bestätigte eine BRCA2-Mutation. Dieses Ergebnis war einerseits ein Schock, andererseits schien es mir auch als Erklärung für meine Erkrankungen. Ich entschied mich, mein Risiko für weitere Krebserkrankungen durch eine beidseitige Mastektomie, die Entfernung der Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter so gut es geht zu minimieren. Da mein Körper aufgrund der bereits erfolgten Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie mehr als belastet war, hatte ich extreme Wundheilungsstörungen: ich musste mehrmals punktiert werden und das Narbengewebe ist verklebt. Ich entschied mich schlussendlich dafür, keinen Aufbau meiner Brüste durchführen zu lassen. Ich trage Prothesen. Die in meiner Familie in Frage kommenden Verwandte hatten Gott sei Dank negative Testergebnisse. Somit belastet dieser Gendefekt in unserer Familie niemanden sonst.

Mein Körper und meine Seele waren und sind aufgrund der vielen Operationen und Behandlungen extrem gefordert. Darüber reden hat mir sehr geholfen. In der Zeit der Therapien hatte ich das große Glück der psychoonkologischen Betreuung durch die Krebshilfe und besuchte eine Gesprächsgruppe im AKH in Wien. Die Auflösung dieser Gruppe veranlasste mich und Nicole eine Selbsthilfegruppe zu gründen.

Wäre Nicole nicht gewesen, hätte ich allein nie den Mut oder die Kraft zur Gründung einer Selbsthilfegruppe gehabt. Bei jedem Treffen, Austausch werde ich darin bestätigt, wir machen das Richtige und es fühlt sich gut an. Meine Motivation besteht darin anderen Betroffenen mit eigener Betroffenheit, mit offenem Herzen, offenen Ohren und Erfahrungen zur Seite stehen, wissen lassen: Ihr seid nicht allein.